Sozialkompetenz erwerben im Spiel

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ausserhalb der Arbeitszeit, also in der Freizeit oder Ferienzeit entdeckt man im Spiel der Kinder bewundernswerte Eigenschaften. Ich habe mir Gedanken gemacht an was das liegen könnte, dass hier Kinder im Spiel sich ganz anders verhalten.

Bei uns zu Hause erlebe ich, dass gerade die jüngeren Kinder oft ausgegrenzt werden. Selten findet ein sinnvolles Zusammenspiel statt, wo individuelle Ressource von den Kindern selber gefördert werden. Regeln werden oft von den bestimmt, welche in der Hierarchie zu Oberst stehen. Meist führt das auch zu Machtkämpfen und Konkurrenzverhalten. Spielsachen werden eher wenig geteilt, da diese oft kaputt gehen oder verschwinden. Streiterein werden mitunter auch schon mal durch Erwachsenen geregelt. Wobei es nicht ausbleibt, dass ein Schuldiger gesucht wird, statt einer konstruktiver Lösung.

Als Beispiel möchte ich hier 10 Tage Fussballspiel mit Hamburger Jungs schildern:

erster Tag: aus versehen fliegt der  Ball auf das Dach der Turnhalle. Das Drama eines 7 jährigen Jungen, der seinen neu gekauften Fussballs als verloren sieht, ist nicht vorstellbar. 5 Jugendliche welche zu später Stunde „chillen“ und man diese nicht stören vermag, weil man solche Jungs bei uns nicht ansprechen würde, bieten sich an auf das Dach zu klettern. Ich lehnte freundlich ab und wies auf die Gefahr hin. Zumal ich komplett überfordert gewesen wäre, wenn dann auch noch etwas passiert wäre. Schnell wird eine ausziehbare Leiter organisiert. Der Warenwert von 10 Euro für einen Ball, steht nun in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand, dass dieser Ball wieder vom Dach runter kommt.

zweiter Tag: kleine Jungs verstehen unseren Dialekt kaum, aber Fussball verbindet. Wir klären, dass man in unserem Land „Grüezi“ und nicht „Servus“ sagt. (Ah, wir kommen nicht aus dem Süden von Deutschland, sondern aus der Schweiz). Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland draussen und die Schweiz hatte noch ein wichtiges Spiel vor sich. Man ist sich einig, dass Yann Sommer (wer das auch immer sein mag) toll ist, aber Manuel Neuer der Weltbeste Torhüter ist. Kein Konkurrenzdenken, man solidarisiert sich. Man geht zum Fussball spielen über.

dritter Tag: man freut sich, dass wir wieder kommen. Alle Spielen miteinander, wenn die Jungs erkennen, dass die Mannschaften nicht ausgeglichen sind, wird einfach neu formatiert. Die Kleinen werden einbezogen und gerecht auf die Mannschaften verteilt und während dem Spiel auch angespielt. Wenn etwas nicht gelingt, wird motiviert und nicht klein gemacht.

vierter Tag: liegt ein gegnerischer Spieler am Boden, geht man hin und hilft. Wird es nicht gleich zu Beginn bemerkt, wirft ein Spieler den Ball ins Aus! Wurde vorher aber abgemacht, dass es kein Aus gibt, werden die Regeln für einen kurzen Moment geändert und das Aus wird wieder eingeführt….so einfach geht das!

Ich bin noch immer sehr beeindruckt. Sitze gerne auf der Bank, schaue zu und lerne!

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